Das Kunstwerk als Anlageobjekt

 

Gerade im Kunsthandel wird beim Kauf einer Arbeit nicht selten auf eine finanzielle Wertsteigerung spekuliert. In den Auktionshäusern Christie’s und Sotheby’s gibt es bei Höchstpreisen Applaus, Kunst als Anlage ist absoluter Luxus, wer sonst schon alles hat, dem bleibt nur noch die Kunst. Die Preise korrelieren in ihrer Tendenz nach oben mit den Preisen von Aktien: steigende Börsenkurse führen zu steigenden Preisen für Kunst. Sinkende Kurse an den Börsen führen aber nicht zu fallenden Preisen am Kunstmarkt sondern nur zu verhaltener Kauflust.

Auch auf dem Kunstmarkt gilt die einfache Lehre aus der Betriebswirtschaft: mit hohen Preisen steigt die Nachfrage. Und die Nachfrage wird immer größer. In den letzen 20 Jahren hat sich der Käufermarkt verzwanzigfacht, Kunden kommen jetzt aus der ganzen Welt, aus China, Japan, Russland, Dubai, gekauft wird wie verrückt. 2008 wurden bei Auktionen weltweit 8,3 Milliarden Dollar umgesetzt, Damien Hirst verkaufte 2008 beinahe wöchentlich Kunstwerke über eine Million Dollar. Preise dieser Kategorie können erzielt werden, weil der Kunstmarkt längst zu einem Spekulationsmarkt geworden ist. Auch wenn sich viele Spekulanten im Zuge der Finanzkrise wieder etwas zurückgezogen haben, hat sich der Kunstmarkt dennoch verändert.
Hermann J Kassel, international arbeitender Bildhauer und Künstler, macht die Erfahrung, dass Kunst nicht selten eher als Geldanlage, denn als Erfahrungsmöglichkeit und Reflektionsebene verstanden wird.

“Geld-Anlage”

Edition, 2001 – 2010
Stahl, Glas, Erde, !00 €-Banknote (100 DM Banknote, 50 £ Banknote)

Die Erd-Arbeit “Geld-Anlage” von Hermann J Kassel ist eine Reaktion auf die Entwicklung, Kunstwerke als Spekulations- und Anlageobjekte zu betrachten. Über Jahre wird die Banknote innerhalb dieses Stahl-Glas-Tresors von der ebenfalls hier eingelagerten Erde angegriffen und verändert, bis nur noch das Hologramm und der Silberstreifen erkennbar sind, als einziges unzerstörbar. Thematisiert wird hier nicht nur der Wert der Kunst, wenn es in erster Linie als Spekulationsobjekt verstanden wird, sondern auch der Wert der Spekulation selbst.

Erde steht symbolisch für Zeit, Dauer, Beständigkeit, Ausdauer, Geduld, für konservative oder bewahrende Werte; aber auch für Veränderung und Wachstum. Die Wirkung der Erde in diesem Werk zeigt, dass der Wert des Geldes mit der Zeit verschwindet und damit relativ ist, der Wert des Kunstwerkes aber nicht.

Ein Kunstobjekt hat mit Recht seinen Preis; wenn dieser Geldwert steigt, ist das ein schöner Nebeneffekt. Aber der eigentliche Auftrag von Kunst ist doch wohl ein anderer, sowohl für den Betrachter, als auch für den Künstler. Kunst entwickelt die Persönlichkeit, sie schult die Fähigkeit zur Wahrnehmung, sie sensibilisiert und schafft die Grundlage für Bewusstsein und Erkenntnis. Sie ist dadurch ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. In einen lernfähigen und wertvollen System müssen sich Mensch wie Gesellschaft mit sich und ihrer Umwelt auseinandersetzen können.

Hermann J Kassel sagt dazu : “Kunst dient vor allem der geistigen Auseinandersetzung, Durchdringung und Transformation relevanter Themen. Es geht bei der Kunst um die Transformations- und Reflektionsebene. Wird ein Kunstwerk auf seinen materiellen und merkantilen Wert reduziert oder steht dieser im Vordergrund, wird das Kunstwerk missbraucht. Der Hype um Höchstpreise ist absurd. Auch deswegen, da Preise in Auktionen nicht selten von Vermarktern in die Höhe gepuscht werden”

Anhang:
Allgemeine Erläuterung zur Werkgruppe der Erd-Arbeiten
In diesen geschlossenen, lebendigen System-Arbeiten verändert die hierin eingeschlossene Erde die bemalten Leinwände, bzw. Banknoten, Texte etc. langsam und stetig. Über Jahre transformiert sich das künstliche, künstlerische Bild in ein natürliches Bild-System. Die Erd-Arbeiten erfordern so nicht zuletzt ein Vertrauen in und Offenheit für den Prozess der Veränderung. Natur wird in ihrer prozesshaften, stetigen Wandlung erfahrbar.
Mehr Infos siehe Homepage Hermann J Kassel


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Kreative Intelligenz Teil 2

 

Um gute Ideen zulassen zu können brauchen wir ein bisschen Chaos. Leere, Unordnung oder Verwirrung können uns dabei helfen, etwas Neues zu kreieren, da das Bedürfnis, etwas zu schaffen bzw. Ordnung zu schaffen, kreative Ressourcen freisetzt. Im Spiel und in der Kunst geschehen dabei ähnliche Vorgänge. “Kunst hat den Auftrag, nachzudenken, frei zu sein und sich nicht in einen konkreten Nutzen pressen zu lassen, also konsumierbare Produkte herzustellen”, sagt Friedrich von Borries, Designtheoretiker an der HfbK im Hamburger Abendblatt.

weiter lesen…

Die Kunst der Beschränkung

 

Super lesenswerter Artikel von dem Philosophen Otfried Höffe über einen neuen Wertekanon in unserer Gesellschaft:
“Mit der Wirtschaft verdient eine Gesellschaft ihren Lebensunterhalt. Mit Recht, Menschenrechten und Demokratie genügt sie ihrem politischen Leitwerten, der Freiheit in Gerechtigkeit. Ihren Zusammenhalt findet sie aber über die Sprache, über Wissenschaft und Philosophie, nicht zuletzt über Musik, Architektur und Kunst.”

Hier geht’s zum Artikel:
welt.de


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Warhol-Porträt zum doppelten Schätzpreis verkauft

 

Diesmal ohne Kommentar!
Zeit.de

…..aber noch ein Hinweis zu einem kritischen Artikel zum Thema “Geld & Kunst auf artinfo24.com

Kunst in der Krise

 

„Mut und Demut“ ist das Thema der Movimentos Festwochen 2010. Damit werden Eigenschaften aufgegriffen, die in dieser Krisenzeit besonders wertvoll sind. Denn Mut ohne Demut ist gefährlich. Eine verantwortungsvoll handelnde Gesellschaft hat beides integriert.
Mut ohne Demut ist Übermut. Besonders in der Wirtschaft führt Übermut zu unkalkulierbaren Risiken und somit – zur Krise.
Man könnte auch sagen:
Um die Krise zu bestehen brauchen wir Mut, um Krisen zu vermeiden brauchen ein paar Leute etwas mehr Demut. Der Titel ist also genial: Maria Schneider (Kreativdirektorin der VW-Autostadt) sagt dazu: “Für unseren Wertekanon suchen wir immer Themen, die groß genug sind, sie mit allen künstlerischen Formen zu füllen. So lange man die Welt beobachtet und erspürt, was für die Menschen in ihrer Welt relevant ist, findet man ein Motto.”

Quellen:
zeit.de
Ir-online.de
Movimentos Festwochen 2010


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